Der Braune Mob e.V. | FAQ
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FAQ

 

WARUM DER NAME “DER BRAUNE MOB”?

Unser Name ist natürlich bewusst provokativ gewählt. Zum einen persifliert er die koloniale Angewohnheit der Annektierung eines Gruppen-Namens. Auch kann der Name daran erinnern, dass das Rassismus vorrangig nicht etwa ein Problem mit rechtsextremen Glatzen ist, sondern eines der Mitte der Gesellschaft.

 

WARUM IST DIE BEZEICHNUNG SCHWARZEN MENSCHEN SO WICHTIG?

Ein wichtiges Identifikations- und Identitätsmerkmal jedes Menschen, jeder Familie, jedes Vereins und jeder Gruppe ist deren Bezeichnung, die offen oder versteckt bereits viele Assoziationen auslöst. Deshalb gibt es ein Grundrecht auf Selbstbenennung, das jedoch oft gewaltsam verletzt wird. Schon immer war das Verbot, den eigenen Namen zu tragen, ein wirksames Mittel von Eroberern und Besatzern jedweder Herkunft und Historie, eine unterdrückte Gruppe eines Teiles ihrer Kultur zu berauben. Ähnlich wie das Verbot der eigenen Schrift oder Sprache hat es Identitätsverlust zum Ziel, was den Umkehrschluß zuläßt, daß die Bezeichnung einer Gruppe für sich selbst ein wichtiger Faktor für Definition, Identität und Zusammenhalt ist.

Menschen(gruppen), denen das Selbstbenennungsrecht verwehrt wird, leiden darunter und wehren sich weltweit gegen diese Form der Unterdrückung. In Deutschland ist die Aufklärung darüber, dass und warum Selbstbezeichnungen diskriminierter Gruppen immer angemessener sind als koloniale Namensgebungen, noch nicht weit fortgeschritten, beziehungsweise ist diese Tatsache wohlbekannt, wird aber von der Dominanzkultur nicht umgesetzt.

Das Recht, “Andere” zu benennen, war schon immer ein “Herrenrecht”.

Tatsache ist, dass noch heute viele Menschen in Deutschland Probleme damit haben, das Selbstbenennungsrecht Schwarzer Menschen zu akzeptieren und auf diskriminierende Wörter wie “Farbige” oder gar “N….” nicht verzichten mögen.
Sie alle müssen sich die Frage gefallen lassen, warum sie Ausdrücke, die bekanntermaßen eine kolonialrassistische Herkunft haben, beleidigend und nicht diskriminierungsfrei sind, unbedingt weiter verwenden wollen. Selbst möchten sie auch nicht auf eine Art bezeichnet werden, die sie für unangemessen halten, und das, obwohl selbst die schlimmste Beschimpfung im umgekehrten Fall auf keinerlei historisch, institutionell oder strukturell entmenschlichende Gewalt zurückgreift. Während in Deutschland die Forderung, selbstgewählte Bezeichnungen für Minderheiten zu benutzen, von der Mehrheitsgesellschaft bisweilen noch als Zumutung aufgefasst wird, wird dies in vielen anderen Ländern bereits als notwendige Aufarbeitung, Fortschrittsarbeit und Heilung der Sprache aufgefasst. [nach oben]

 

WARUM ausgerechnet “SCHWARZ”?

Weiße sind rosa, aber niemand sagt ihnen deswegen, wie sie sich nennen sollen. Spaß beiseite: Bei den Bezeichnungen “Schwarz” und “weiß” geht es natürlich nie wirklich um die Farbe, nicht einmal um eine genau definierbare Menge Menschen: So wenig wie z.B. alle europäischen Weißen von Schweden bis Südspanien ernsthaft einer einzigen “Gruppe” zugeordnet werden können, kann das mit allen Schwarzen funktionieren. Weder sind alle Weißen ein “Volk” noch sehen sie sich im Schnitt im entferntesten ähnlich noch haben sie ausser einiger durchschnittlicher äusserlicher Eigenheiten irgendwelche Gemeinsamkeiten. Damit sie aber benannt werden kann, welche sozialen Gemeinsamkeiten aus dem Konstrukt des Rassismus entstanden sind, wie zum Beispiel, dass seither und noch heute unterschiedliche Chancen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt bestehen), hat sich der Begriff “Weiße” bewährt. Bezeichnet werden also keine ‘biologischen’ Eigenschaften sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten.

Wir fassen zusammen:

  1. Wer die Meinung vertritt, besser zu wissen, wer oder gar “was” eine Schwarze Person jeweils sei, benimmt sich rassistisch
  2. “Schwarz” und weiß” sind keine echten “biologischen Tatsachen”, sondern Gesellschaftskonstrukte; sie benennen die verschiedenen Hintergründe, Sozialisationen und Lebensrealitäten. Viele Weiße sind dunkelbrauner als viele Schwarze. Weiße sind sie trotzdem.
  3. Wir werden dazu erzogen, bei Schwarzen Menschen die Farbe und spezifische Schattierungen der Hautoberfläche wahrzunehmen und benennen zu wollen, bei Weißen, die über ein weitaus bunteres Farbenspektrum verfügen, aber nicht.

Schwarz/weiß Kategorisierungen mögen zunächst kompliziert und negativ erscheinen und sind sicher nicht die Idee Schwarzer Menschen gewesen, sondern das Ergebnis langjährigen weißen Rassendifferenzierungswunsches.

Publikationen und Aussagen, die sich auffällig um das Wort “Schwarz” herumdrücken, um es nur ja nicht verwenden zu müssen, wirken zumindest verdächtig. Denn der verkrampfte Versuch, “schwarz” zu vermeiden, impliziert ja, daß der Autor/die Autorin findet, daß “schwarz” sein oder genannt zu werden etwas Schlechtes sei (man nennt das einen „Euphemismus“. Den Begriff “Schwarz” im Bezug auf Menschen zu “umschiffen”, also nicht zu verwenden, ist oft ein Indiz, dass die Person das Selbstbenennungsrecht Schwarzer Menschen (und Organisationen) nicht akzeptiert).

Eine weitere kulturelle Selbstbezeichnung vieler Menschen ist der Begriff afrodeutsch.

Noch Fragen: siehe ” Warum gibt es keine »Farbigen«?” [nach oben]

 

WARUM SIND VIELE BEI DEM THEMA SO EMPFINDLICH?

“Schwarz” zu sein bedeutet nicht nur, pauschal zu einer im weitesten Sinne “ethnischen Gruppe” (in Wirklichkeit: einer willkürlich durch die Dominanzgesellschaft konstruierten Gruppe) zu gehören, sondern ist zumeist auch verbunden mit der Erfahrung, auf eine bestimmte Art von der Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen, missrepräsentiert und fremdbestimmt zu werden. Sieben von acht Menschen auf der Erde sind nicht weiß, das nützt den Schwarzen Menschen aber nicht viel, die in Ländern aufwachsen, in denen eine gesellschaftliche Gruppe (vor)herrscht, die ihre Aufarbeitung rassistischer Tendenzen noch nicht abgeschlossen hat. Schwarze Menschen in Deutschland beispielsweise sind immer noch Opfer von rassistischen Übergriffen. Fast alle haben unzählige Alltagsdiskriminierungserfahrungen gemacht.

Für viele Schwarze Deutsche ist “Schwarz sein” ein Stück Identität und daher selbstverständlich ein wichtiges Thema. Schwarz zu sein ist anders als für Weiße das “weiß-sein”, denn mit dem weiß-sein brauchen weiße Deutsche sich nicht auseinanderzusetzen, wenn sie nicht möchten. Auch haben viele Schwarze Menschen eine begründete Vorsicht bei diesem Thema (vor allem wenn sie nicht befragt werden sondern die Gegenüber es “besser wissen” wollen), weil Medien und Öffentlichkeit andauernd ein verzerrtes Bild von “Schwarz-sein” konstruieren: Schwarze Menschen werden gezeigt als seien sie überwiegend hungerleidende Opfer, allen Afrikaner*nnen wird unterstellt, dass sie aus Organisationsschwäche Schwierigkeiten hätten (und nicht infolge gewaltsamer Europapolitik der letzten Jahrhunderte), Schwarze Menschen werden in Berichterstattung und Medien dargestellt als Dienstboten, Dealer oder Gewalttäter, sexualisiert, exotisiert, als “gefährlich”, Nichthandelnde und Unpersonen verzerrt und auf das Schwarzsein reduziert, sind im besten Fall Sänger oder Sportlerin… nichts was in irgendeiner Hinsicht mit Intellekt in Verbindung zu bringen wäre. Anders als im echten Leben sind Schwarze im deutschen TV nur in den seltensten Ausnahmefällen Anwälte, erfolgreiche Kaufleute, Informatikerin, Dozentin, Hausfrau oder Mechaniker. Sicher tragen einige Schauspielerinnen und Musiker, die dieses Image spielen, zu diesen Vorurteilen bei, deswegen entspricht es aber natürlich noch lange nicht der Wahrheit.

Leider tendiert unsere Umgebung auch dazu, jedes “Passen in eine Schublade” durch Aufmerksamkeit und Bestätigung zu belohnen, sei es, dass Mädchen dafür gelobt werden wenn sie hübsche lange Haare haben und geschimpft wenn sie in Kniebundhosen laut pfeifen, oder eben dass Schwarzen Menschen nur dann freundlich begegnet wird, wenn sie übermässig lustig, unterhaltsam, proaktiv “harmlos” und am besten noch sportlich oder musikalisch begabt sind. Es spielt dabei keine Rolle, wie unsinnig oder überholt diese Schubladen sind; sie sind jedenfalls sehr schwerfällig und kaum jemand von uns kann sich der Tatsache entziehen, dass wir alle grundsätzlich dafür Bestätigung erfahren, wenn wir uns danach verhalten, was unsere dominante Gruppe als passend empfindet. Darunter leiden die meisten Opfer von Vorurteilen, seien es Homosexuelle, Schwarze Menschen, Frauen, Migrant*nnen, und viele Weitere, oder Menschen, auf die alle diese Beschreibungen zugleich zutreffen. Nicht, was oder wie oder wer Menschen wirklich sind, ist es, was das Umfeld sie ablehnen oder beurteilen lässt, sondern lediglich ihre Kopie im Kopf der Betrachter. [nach oben]

 

WARUM gibt ES KEINE “FARBIGEN”?

Noch immer beharren einige Menschen in Deutschland interessanterweise auf der Unterscheidung zwischen hellhäutigen und dunkelhäutigen Schwarzen Menschen und outen sich indirekt als Rassisten indem sie aufmunternd sagen “och, du bist doch gar nicht RICHTIG schwarz” (ganz als solle man das als Kompliment auffassen).

Die einzelnen Bezeichnungen dafür, wie hell- oder dunkelbraun (wo ist die Grenze?) oder zu wie viel Prozent “rein” Schwarzer oder weißer „Abstammung“ jemand sei, sind Relikte aus der noch nicht sehr lange zurückliegenden Zeit der Rassentrennungspolitik und führen zu nichts als künstlichen Unterscheidungen. Diese Unterscheidungen gingen früher mit einer Politik unterschiedlicher “Wert-Einstufungen” der Menschen einher, eine Ideologie, die sich heute ein wenig subtiler fortsetzt.

Die Folgen davon sind die Schwierigkeiten von heute. Da “Unterschiede zwischen hell-schwarz und dunkel-schwarz“ ausschließlich dafür konstruiert wurden, um Zwiespalt und Divergenzen hervorzurufen, und da sie ein Relikt aus der Zeit der Versklavung und Kolonialisierung sind, sind solche Einstufungen und Kategorisierungen nicht nur wahllos, sondern auch gefährlich. Auf den französischen Antillen beispielsweise nennt man noch heute Schwarze Kinder, die ein weißes Elternteil haben und „hellhäutig genug“ aussehen, “sauvé”, “gerettet”! Hellhäutigkeit ist bei diesen Kategorisierungen zumeist direkt verbunden mit mehr sozialen Privilegien, „besserer“ Entsprechung der europäischen Schönheitsideale und stellt damit eine Fortführung der kolonialen Einteilung von Menschen aufgrund ihres phänotypischen Aussehens dar.

Die Aussage „Du bist doch gar nicht richtig schwarz“ ist also sowohl Irrtum als auch Beleidigung, denn wer in unserer Gesellschaft sehr wohl als Schwarz wahrgenommen wird und dadurch mit diversen Widrigkeiten zu kämpfen hat, braucht bestimmt nicht oben drauf noch eine ungefragte rassialisierte Fremdeinordnung.

Selbstverständlich gibt es neben der Pigmentierung auch noch andere als “typisch Schwarz” geltende Merkmale, aufgrund derer noch immer versucht wird, so genannte “Rassen” zu kategorisieren, zu definieren und zu pauschalisieren.

Niemand darf Menschen in “Nicht ganz Schwarz”/”Ziemlich Schwarz”/”Ganz Schwarz”-Schubladen mit den entsprechend darauf abgestuften Behandlungen und Erwartungshaltungen stecken, und wer anderen dies untersagt, wehrt sich zu recht.

Es ist außerdem bemerkenswert, dass bei Einigen der Drang zu bestehen scheint, Schwarze Menschen generell zuallererst mit einem Sachwort zu bezeichnen, das Auskunft darüber gibt, von welchem „rassischen Reinheitsgrad“ oder genauer “wer oder was”(!) sie seien („Farbiger“).

“Farbig” soll in Deutschland in der Regel auch als eine „höflich gemeinte“, weil schwächere Form von „Schwarz“ dienen. Damit soll “abgeschwächt” werden, dass jemand Schwarz ist, und genau das ist das Problem: Das Gegenteil ist der Fall. Denn wir haben es hier eindeutig wieder mit einem „Beschönigungs“versuch zu tun. Eine Beschönigung wird ja aber nur dann verwendet, wenn es tatsächlich etwas zu beschönigen gibt. Farbig zu verwenden, heißt zunächst, dass “Schwarz” als Makel, als negativ gedeutet wird. Das heisst, dass, wer das Wort “farbig” für Menschen verwendet, ein Problem mit Selbstbezeichnungen hat.

Um wirkliche “Farbe” geht es hier sowieso nicht, denn wie uns sicher allen schon aufgefallen ist, verfügen Weiße zumeist über ein weitaus beeindruckenderes Repertoire an verschiedenen Farbnuancen ihrer Hautoberfläche. Für diese gesellschaftspolitischen Begriffe braucht es keine Beschönigungen.

Es gibt noch einen anderen Grund dafür, dass der Begriff “farbig” nicht okay ist:
Es klingt so, als sei weiß quasi der “Normalzustand”, die “Ausgangsposition” und als sei ein “Farbiger” sowas wie ein “angemalter” oder “eingefärbter” Weißer (dass die evolutionäre Wirklichkeit wie auch die der Proportionalitäten der Weltpopulation eine ganz andere Sprache sprechen, ist hinlänglich bekannt).

“Farbig” ist also das Konstrukt einer “Abweichung von Weiß”. Und das ist natürlich Quatsch. Genauso wenig, wie Weiße nur Schwarze mit Pigmentschwäche sind, sind Schwarze Menschen eingefärbte Weiße.

Es ist bei dem ganzen Thema tatsächlich höchst denkwürdig, dass unsere Gesellschaft ausschließlich Schwarzen Menschen gegenüber einen dermassen verbissenen Hautfarben – “Kategorisierungsdrang” zeigt und sich einbildet, ohne “Rassenabstufungen” (denn darum geht es hier letztlich) nicht auszukommen. Das hätte eigentlich vor ffünfundsechzig Jahren als Lernziel abgehakt sein sollen.

Manche Menschen mögen sich auch dagegen wehren, in jedweder Form kategorisiert zu werden oder auch gar nicht als “Schwarze” oder sonstwie bezeichnet zu werden, oder Selbstbezeichnungen für sich verwenden, die andere Schwarze Menschen nicht akzeptieren. Das muss als Selbstbezeichnungspraxis akzeptiert werden, es ändert jedoch wenig an den Gegebenheiten respektvollen und zivilisierten sprachlichen Umgangs. (Wenn vereinzelte Blondinen gerne mit “Baby” angesprochen werden, heißt dies ja auch nicht, dass das dadurch eine legitime Bezeichnung von blonden Frauen wird.)

“Wie soll ich denn jetzt zum Beispiel in einem Artikel ein Mädchen nennen, das das Kind eines Nigerianers und einer Deutschen ist”, so und so ähnlich wurden wir oft gefragt. Die Antwort ist: Genau wie man das Kind eines blauäugigen Hessen und einer rothaarigen Brandenburgerin nennt: “ein Mädchen”.

Siehe auch: Informationen für Journalist_innen zu diskriminierungsfreier Sprache 4/2008 – Es gibt keine “Farbigen”

[nach oben]

 

WAS HEISST “POC”?

“PoC” ist kurz für „People of Color“. Das ist eine selbstbestimmte Bezeichnung von und für Menschen, die nicht weiß sind. Das Konzept „People of Color“ setzt man erstmals voraus, dass Menschen, die nicht weiß sind, über einen gemeinsamen Erfahrungshorizont in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft verfügen.

Anders als etwa „coloured“ („farbig“/“Farbige/r“), das eine von Weißen gewählte und koloniale Zuschreibung ist, sind „People of Color“ in erster Linie „people“, also „Menschen“. Der Ausdruck „People of Color“/“PoC“ wird (auch in Deutschland) im akademischen und politischen Umfeld benutzt und ist in vielen englischsprachigen Ländern eine gängige Bezeichnung. In Deutschland hat sich der Begriff im Alltag und in den Medien noch nicht durchsetzen können, was daran liegen mag, dass er lang und englisch ist, oder auch daran, dass in Mehrheitsdeutschland die unterschiedlichen Lebensrealitäten von weißen Menschen und People of Color weitestgehend ignoriert werden und sie daher außerhalb der Menschenrechtsarbeit auch gar nicht mit dementsprechenden Begriffen thematisiert werden. [nach oben]

 

WIE STELLEN DIE MEDIEN SCHWARZE DENN FALSCH DAR?

Abgesehen von überwiegend einseitiger Besetzung Schwarzer in Filmen und Fernsehserien als Dealer, Diener oder lustige Dummköpfe ohne Persönlichkeit (sicher gibt es auch hier vereinzelt Ausnamen, leider sind es aber tatsächlich noch genau das: Ausnahmen) haben wir Deutschen ein Problem mit viel getarnterem Rassismus in vordergründig “neutraler” Berichterstattung. In Nachrichten und Zeitungsartikeln passieren aus Desinteresse und Tradition regelmäßig dieselben “versteckten Rassismen”.

Statt einfach zu schreiben “der 36 jährige Mechaniker” heißt es oft “der 26jährige Deutsch-Äthiopier, der eine Werkstatt hat” oder “der Farbige, der 26 Jahre alt ist und…”. Dass Menschen in erster Linie auf ihr „ethnisches Aussehen“ reduziert werden (und erst dann in einzelnen Fällen auch noch “jemand”/eine Person sind), ist rassistisch. Auch, dass dazugesagt werden muss, dass die Person von der weißen Norm abweicht. Bei weißen Menschen wird an selber Stelle grundsätzlich auf Rassifizierungen verzichtet. Diese unterschiedliche Behandlung kommt uns nur deswegen nicht auf Anhieb bescheuert vor, weil wir es nicht anders gewohnt sind. Man stelle sich dagegen aber mal vor, ein Zeitungsartikel lautete “eine Rothaarige kam gestern bei einem Autounfall ums Leben. Sie war 33 Jahre alt und…” Alle würden sich fragen, wer die Frau ist, ob man nichts über sie weiß, und warum um Himmels Willen bei einem so tragischen Fall die Haarfarbe eine Rolle spielen soll.

Da wir Homo Sapiens uns ja inzwischen einig sind, dass alle Menschen gleiche Rechte haben, möchten wir anregen, dass (wie es im übrigen auch den deutschen Presserichtlinien entspricht) in Berichterstattung alle Menschen auch gleich häufig “ethnisch zugeordnet” werden. Nötig ist dies sowieso nur, wenn es zum Verständnis der Geschichte unbedingt notwendig ist, und nur sehr selten ist das der Fall. Häufig wird bei allen Personen der Beruf erwähnt, nur die Schwarze Person ist und bleibt “ethnisch” markiert: “der Schwarze” sowie ohne wirkliche Attribute. Diese Art der “Berichterstattung” trägt leider massgeblich zur Aufrechterhaltung kolonialer Deutungs- und Benennungspraxen bei. Als Resultat glauben zahlreiche Weisse tatsächlich, dass sie ein Recht dazu hätten, im täglichen Leben Schwarze Personen und PoC willkürlich darauf hin abzufragen, weswegen sie Schwarz und gleichzeitig hier seien.

Zu erwähnen, dass jemand Schwarz ist (was überflüssigerweise sogar dann oft geschieht wenn es sowieso allen bekannt ist, beispielsweise bei Barack Obama oder sogar noch als Textzeile unter Fotos), ist meistens eher eine faule Methode, zu kaschieren, dass man nichts über die Person recherchiert hat, nichts recherchieren möchte, eine „ethnische“ Schublade als ausreichende Informationsvermittlung betrachtet – und daher ein Zeichen von unseriösem Journalismus.

Dass dieses Verhalten Gewohnheit ist, macht es weder logisch noch diskriminierungsfrei. Es wird aus Gründen der Traditionspflege (und Überlegenheitsgefühls) aber häufig energisch verteidigt. Man müsse “diese Leute doch irgendwie beschreiben”. Nun, wir schlagen vor, sie als Leute zu beschreiben. Wie alle anderen auch. Dass es ohne nichtssagende Unpersonen-Ausdrücke in Berichterstattung nicht ginge, ist eine Ausrede: Die so pauschale Bezeichnungsmöglichkeit einer willkürlich konstruierten “Rasse” ist beispielsweise bezüglich indisch oder pakistanisch aussehender Menschen so einfach gar nicht möglich (sie werden weder als Schwarze noch als Weiße wahrgenommen und kommen natürlich auch nicht alle aus demselben Land), deswegen wird jede dieser Personen ganz selbstverständlich beschrieben: nach Herkunft (“Pakistan”) oder persönlicher Geschichte (“Engländer und Enkel indischer Einwanderer”). Niemand hat sich in diesen Fällen bisher darüber beschwert, dass es zu kompliziert sei, Menschen als Menschen beschreiben zu müssen.

Lästig ist auch, dass bei Schwarzen Deutschen, ungeachtet dessen ob es sich um ein derart persönliches Portrait handelt oder nicht, in medialer Berichterstattung stets die “Elternfrage” eine Rolle spielen soll, ganz so, als gelte es zuerst herauszufinden, “woher denn der Schwarze Anteil komme”. Die Schwarze Präsenz im (der Einbildung nach) weißen Land soll zuerst erklärt (gerechtfertigt) werden. Natürlich stellt diese Tradition ebenfalls eine Zumutung dar, denn dadurch sind Schwarze Menschen um ein vielfaches häufiger neugierigen und unangemessen persönlichen Fragen und Berichterstattungen ausgesetzt. In keinem Zeitungsartikel steht, wenn eine weiße Deutsche mit 4 Promille beim Autofahren erwischt wurde “die hellhäutige Tochter eines Deutschen und einer Europäerin”. Geht es in irgend einer wenn auch noch so nebensächlichen Hinsicht um eine Schwarze Person, können wir allerdings ganz sicher sein, dass auch immer der Teil der Familiengeschichte dazu aufgerollt wird, in dem mehr oder weniger versteckt als einzige Information enthalten ist, “warum” oder “woher” sie Schwarz ist. Tatsächliche familiäre Historie spielt hierbei selten eine Rolle, denn auffallend oft wird beispielsweise nur erwähnt dass etwa “der Vater Afrikaner” ist, was genau gar nichts aussagt ausser dass der Autor nicht weiß wie er elegant getarnt ausdrücken kann, dass (whoa!) der Vater Schwarz und die Mutter weiß war. Weder brauchen wir aber derartige Informationen zum Verständnis von Unfallhergängen noch gehen sie in der Regel ausserhalb eines Personenportraits, in dem die wirkliche persönliche Historie erzählt wird, jemanden etwas an. Mehr Anstrengung zur Gleichberechtigung wäre auch hier wünschenswert. Die Presserichtlinien, die derartige einseitige Erwähnung von Herkunft, Nationalität oder konstruierter angeblicher „ethnischer Zugehörigkeit“ missbilligen, stehen allen Journalist*nnen leicht zugänglich online, sind Bestandteil Teil jeder journalistischen Ausbildung und werden trotzdem bezüglich Schwarzer Menschen und PoC öfter ignoriert als befolgt.

[nach oben]

MEHR INFOS dazu

 

WIESO SIND SCHWARZE NICHT AUCH MIGRANT_INNEN ODER AUSLÄNDER_INNEN?

[nach
oben
]

Weil es mehrere hunderttausende Schwarze Deutsche gibt.

 

WIESO SIND SCHWARZE NICHT ALLE AFRIKANER_INNEN? [nach
oben
]

Weil es mehrere hunderttausende schwarze Deutsche gibt. Millionen Europäerinnen und Europäer (Franzosen, Engländer, Niederländer Deutsche, Schweden, Italiener usw) sind Schwarz. Vom amerikanischen Kontinent ganz zu schweigen… (Nebenbei: der erste afrikanische Sänger in der ZDF Hitparade war Howard Carpendale)

 

  WIE IST DIE POLITISCH KORREKTE UND DISKRIMINIERUNGSFREIE BEZEICHNUNG FÜR SCHWARZE (ODER SCHWARZE DEUTSCHE)? [nach oben]

Ganz einfach: „Schwarze (Deutsche)“. – Wenn es um Rassismus, unterschiedliche Erfahrungen und Sozialisationen geht, ist der politisch korrekte Begriff „Schwarz“.

In allen anderen Fällen gibt es aber meistens gar keinen Grund, dazu zu sagen, ob eine Person Schwarz oder weiß ist. „Ich hab neulich nen Schwarzen Fotografen getroffen, der hat aber viele Bilder gemacht!“ ist zum Beispiel so ein Fall, in dem der Hinweis überflüssig und sinnfrei ist, was sofort einleuchtet, beim Betrachten einer vergleichbaren Aussage „Der weiße Busfahrer hat aber schnell gebremst“, “die deutsche Familie hat ihren Garten total zugemüllt” .

Es ist höflicher, Menschen danach zu bezeichnen, wer oder was sie sind, nicht wie sie pigmentiert sind oder in welche vorurteilsbeladene Schublade sie ohnehin schon gesteckt werden. Im persönlichen Gespräch mit Einzelnen ergibt sich vielleicht, dass jemand lieber einen bestimmten anderen Ausdruck als „Schwarz“ bevorzugt wie z.B. „afrodeutsch“. Da grundsätzlich respektierten werden sollte, wie jemand sich selbst bezeichnet, ist es eine Frage der Manieren, dies auch zu befolgen. „Schwarze Deutsche“ oder Afrodeutsch(e) sind angemessene gesellschaftliche, kulturelle Bezeichnungen. Schwarz wird dabei oft groß geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt, und keine reelle „Eigenschaft“, wie auch in den USA und UK “Black”.

 

WAS SOLL DAS HEISSEN, “DASS EXOTISMUS RASSISMUS IST”? [nach oben]

Noch weit verbreitet ist die Fehleinschätzung, dass jemand, um rassistisch zu sein, es böse meinen und offiziell etwas gegen Schwarze haben muss. Dies ist nicht der Fall. Man kann rassistisch sein und Schwarze LebensgefährtInnenen/Kinder haben, ebenso wie jemand Sexist sein und gleichzeitig Ehefrau und Tochter haben kann. Rassismus bedeutet, so zu handeln, dass Menschen, die nicht weiß sind, durch diese Tatsache benachteiligt werden. Damit einher geht oft, dass ein Unterschied konstruiert wird, wo keiner ist. Dazu gehört vor allem, Gruppen zu erdenken, um ihnen dann bestimmte “Eigenschaften”, “Talente”, “Temperamente” oder “Vorlieben” zuzuordnen. Solche Annahmen sind selbstverständlich gefährlicher Unsinn, denn alles Mögliche mag bei Menschen verschiedene Eigenschaften hervorrufen: Landeskultur, Veranlagungen in der Familie, Umfeld, Erziehung, Zufällige biografische Vorfälle, nur ganz sicher nicht: die Haar-, Augen- oder Hautfarbe.

Wenn viele Brasilianer_innen gerne tanzen heißt das nichts anderes als dass viele Brasilianer_innen gerne tanzen, und wenn die erfolgreichsten HipHop Künstler Schwarz sind, bedeutet das deswegen noch lange nicht den Umkehrschluss (dass alle Schwarzen etwas von HipHop verstünden). Die Hautfarbe oder gar “das Blut”, in dem einigen „Ethnien“ ja pauschal so einiges “liegen” soll, spielt dabei nachweislich keine kausale Rolle, sondern kulturelle Traditionen, und nicht zuletzt auch gewaltsame Zuordnungen durch dominante Gesellschaften: wenn Schwarze Kinder bei gleichen Leistungen weniger wahrscheinlich Gymnasialempfehlungen bekommen und aus rassistischen Gründen darin bestärkt werden, sich Tanz und Service zuzuwenden, hat dies natürlich Folgen.

Exotismus ist eine Form dessen, was wir “Positivrassismus” nennen: wenn Schwarzen Menschen pauschal unterstellt wird, sie können “von Natur aus super mit Trommeln umgehen” und aus heiterem Himmel vorgeschlagen wird, sie sollen doch mal was vorsingen, ist das ebenfalls eine Form von Rassismus. Leider gehen manche Unternehmen/Produktionsfirmen sogar heutzutage tatsächlich noch so weit, Schwarze Figuren zu kolonialromantischen Dekorationszwecken zu “verwenden”, ganz so als seien sie Gegenstände (und sollten dies auch bleiben). Für eine Promotion suchte 2001 der Hersteller Procter & Gamble gezielt nach Schwarzen Moderatorinnen und bewarb eine deutschlandweite Veranstaltungsreihe als “Black night mit schwarzer Musik und schwarzen Tänzern” – passend zur Präsentation der neuen schwarzen Slipeinlage “Alldays Black”.

Menschen (ob zu Werbezwecken oder nicht) derart auf eine Zuschreibung, die außerhalb ihrer Person liegt, zu reduzieren, und das noch zu so würdelosem Anlass, ist natürlich ein extremer Fall von Exotismus und Rassismus.

Eine andere Form von Exotismus-Rassismus ist es etwa, Schwarze Menschen unmotiviert mit Tieren oder Nahrungsmitteln (Schoko-/Kaffee-/Haselnuss-…) in Verbindung zu bringen. Auch die Konstruktion eines vermeintlichen “Andersseins”, mit allen seinen Vorurteilen und rassistischen Zuschreibungen. “Schwarz Rhytmus Naturverbunden Impulsiv” ist eine leider noch oft unterstützte Assoziationskette, die mit der Wirklichkeit natürlich genausoviel gemeinsam hat wie “weiß Dudelsack Bergvolk Unsportlich”.

Leider muss es in aller Deutlichkeit gesagt werden: Jemand, der sagt “ich finde Schwarze total cool, die haben super Groove und sind nicht so verkrampft wie wir Deutschen” beherbergt leider durch und durch rassistisches Gedankengut. So etwas ist viel schlimmer als nicht zur Lichterkette zu gehen… denn ein derartiger Spruch bestätigt gleich mehrere rassistische Vorurteile: 1) Schwarze Menschen darf ich über einen Kamm scheren, 2) Schwarze Menschen haben bestimmte Prädispositionen (auf deutsch: dass die koloniale “Rassenlehre” lange widerlegt ist, interessiert mich nicht) 3) alle Deutschen sind weiß. Schock?

 

WARUM DÜRFEN NUR SCHWARZE BEIM BRAUNEN MOB E.V. MITACHEN? [nach oben]

Aus demselben Grund, aus dem die “Frauengruppe” nur aus Frauen* besteht: alle teilen bestimmte Erfahrungen, die andere nicht machen. Frauen sind keine “Minderheit”, für sie ist es aber trotzdem verständlicherweise wichtig, dass sie Politik und Gesellschaftliches in Zusammenschlüssen und Gruppen ausüben können, auf die die Dominanzkultur zunächst keinen “Zugriff” hat. Dies trifft auf alle diskriminierten Gruppen zu. Es ist wichtig, dass die Gruppe, die benachteiligt wird, Räume für sich alleine besitzt. Alle sind natürlich herzlich dazu eingeladen, unsere Arbeit zu unterstützen und das Ihrige dazu zu tun, gemeinsamen Anliegen voranzubringen. Es gründet sich gerade ein Förderverein, wer interesse hat, mehr darüber zu erfahren, melde sich per e-Mail an info@derbraunemob.de

 

EIN CLUB NUR FÜR SCHWARZE, IST DAS NICHT RASSISTISCH? [nach oben]

Die aktuelle gesellschaftswissenschaftliche Definition von „Rassismus“ ist: Vorurteil plus Macht.

Hierzu auszugsweise eine ausführlichere Rassismusdefinition (Übersetzt aus: Brunson Phillips, Carol & Louise Derman-Sparks: Teaching/Learning Anti-Racism. A Developmental Approach. New York: Teachers College Press, 1997, S. 2.)

„Wir definieren Rassismus als institutionalisiertes System von wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Beziehungen, welches dafür sorgt, dass eine ‚racial group’ gegenüber den anderen privilegiert ist, Macht hat und diese erhält. Individuelle Teilhabe an Rassismus geschieht dann, wenn das objektive Resultat von Verhalten diese Beziehungen verstärkt, unabhängig davon ob eine subjektive Intention dahinter steht“ (Derman-Sparks 1997, 2). Im Anti-Bias-Ansatz werden drei (hauptsächliche) Formen von Rassismus unterschieden, welche sich gegenseitig verstärken (ebd. S.10):

Individueller Rassismus besteht in Haltungen und Verhaltensweisen, die das Machtverhältnis von Rassismus ausführen und erhalten. Es wird davon ausgegangen, dass individueller Rassismus weit mehr ist als Vorurteile und Stereotypen gegenüber anderen Gruppen zu haben. Das individuelle Verhalten ist eng verknüpft mit der kulturellen und institutionellen Ebene und von diesen genährt.

Kultureller Rassismus besteht in den Überzeugungen, Symbolen und den zugrunde liegenden kulturellen Verhaltensregeln, die eine ‚weiße Überlegenheit’ mit produzieren und billigen und welche über den Sozialisationsprozess an die jungen Individuen herangetragen werden. Obwohl der kulturelle Rassismus im alltäglichen Leben als natürlich wahrgenommen wird und nahezu unsichtbar ist, reflektiert er die Ideologie der dominanten Gruppe.

Institutioneller Rassismus bezieht sich auf Rassismus im Auftrag, in den Verfahrensweisen, Grundsätzen und Organisationsstrukturen und deren institutionalisierte Einbettung in die gesellschaftlichen Strukturen.”

(via www.kinderwelten.net)

 

WARUM NENNEN MANCHE SCHWARZE SICH SELBST ODER GEGENSEITIG “N…ER”? [nach oben]

Diese Frage hat in unseren FAQ eine eigene interessante Geschichte: sie wurde zwischenzeitlich offline genommen. Jetzt ist sie wieder da.

Ursprünglich hatten wir diese Frage so beantwortet:

[…]

Das heisst nicht, dass das Wort generell verwendet werden darf und es “nicht so schlimm” ist, sondern im Gegenteil: Dass “N…er” sich in den Schwarzen Sprachgebrauch mancher Gegenden und einzelner Leute eingebürgert hat, ist ursprünglich ein Erste-Hilfe-Trick: wenn man die schlimmstmögliche Beleidigung ständig selbst verwendet (und sogar in eine Art Respektsbegriff umbaut, wie es unter einigen Amerikanern der Fall ist.. aber bitte bloss nicht eigenmächtig selbst ausprobieren!! ‘*/&%$), verliert das “böse Wort” seine Macht und die Beleidigung an Wirkung, so der Ansatz. Diese Technik heißt “Geusenwort“.

Nach einiger Zeit haben wir die Frage und Antwort offline genommen, aus folgenden Gründen

  • Schon allein die Idee, das Verhalten Einzelner als Diskussionsgrundlage für alle Menschen derselben Kultur zu nehmen, ist absurd. Stichwort: in Bayern nennen viele Weiße ihre Frau “Muschi”; würde jemand ernsthaft deswegen eine Bayernorganisation fragen, ob man daraus evtl. herleiten kann, dass man weiße Frauen grundsätzlich Muschi nennen darf?

 

  • Wir sind eine Medienorganisation und keine Auskunftsstelle für Beweggründe aller Schwarzen Menschen, etwa genausowenig wie der Journalistenverband die Auskunftsstelle für Beweggründe von Selbstbeschimpfungen einzelner Journalisten ist.

 

  • Mit obenstehender Frage und Antwort wird die zugrundeliegende Dynamik ausgeklammert oder verdeckt: Entsprechende Rap-Texte (die die Verbreitung dieser “Kosenamen” sicher maßgeblich vorangetrieben haben dürften) werden ja zunächst einmal von einem Label ausgewählt, profitabel promotet und verkauft. Sie haben also weder eine quantitative Verhältnismäßigkeit zu realem Schwarzen Leben (vor allem in Deutschland) noch zur Meinung “der Schwarzen”. Diese Unverhältnismäßigkeit wird zumeist nicht erkannt; stattdessen werden solche Texte aber gern dafür herangezogen, zu behaupten, dass diese Begriffe “anscheinend doch nicht soo schlimm” seien oder auch von anderen Menschen benutzt werden dürften.Dass stattdessen auch Künstler mit respektvollen Texten vom Label ausgewählt werden könnten, aber die finanzkräftigere Mehrheitsgesellschaft anscheinend ein großes Bedürfnis nach diesen Worten und Selbstbeschimpfungen hat (siehe große Nachfrage) und die überwältigende Präsenz solcher Vokabeln dadurch überhaupt erst bedingt, muß bei der Frage nach dem “warum?” und auch “wozu?/für wen?” ebenfalls bedacht werden.

Ergänzend unsere Einschätzung:

Solange Schwarze Menschen von Mitgliedern der Dominanzgesellschaften mit den N-Worten bezeichnet werden, solange diese Begriffe in der Literatur (auch in Kinderbüchern) auftauchen, werden Schwarze Menschen die oben beschriebene Geusenwort-Strategie anwenden. Solange die Geschichte fortwirkt, solange das N-Wort seine bedrohliche, rassistische Macht behält, solange Rassismus Realität ist, werden Schwarze Menschen versuchen, diese zu bannen, zu benennen und zu entmachten, auf die unterschiedlichsten Arten. Bevor eine Beschneidung künstlerischer Freiheit verlangt wird, sollten die Hintergründe der selektiven Publikation und enormen Erfolgsgeschichten betreffender Ausdrücke in der Popularkultur genau hinterfragt und beleuchtet werden.

 

Noah Sow, 2001-2013

(Ausführliche Information, Dokumentation, Argumentation und viele weitere Links u.a. im Schwarzen Blog, sowie im Buch “Deutschland Schwarz Weiß” (C. Bertelsmann 2008, Taschenbuch im Goldmann Verlag), für das diese FAQ Vorläufer waren.)