Der Braune Mob e.V. | Koloniale Schokolade
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Koloniale Schokolade

Koloniale Schokolade

schokolade_cEinsendung von Felix:

“(…) eine Reklame aus dem aktuellen Spiegel (…), mit meinen neu geschärften Sinnen, frage ich zumindest an, ob dies nicht auch rassistisch ist? Exotisierung und Gleichsetzung dunkler Hautfarbe mit Schokolade, der berühmte Sarotti-Mohr in neuer Gestalt?”

Meinung der Red.:

  1. Hier konnte wieder einmal nicht dem uralten Werbe-“Gesetz” wiederstanden werden, das besagt, das schwarze Menschen grundsätzlich halbnackt abzulichten und mit Lebensmitteln in Zusammenhang zu bringen sind.
    Diese Werbung enthält stark koloniale Konnotationen, die durch die konstruierte Nacktheit im Halbschatten, die grafische Stilisierung der Hautoberfläche, um Assoziationen zum beworbenen Produkt “Schokolade” zu wecken, und den Claim “Le Chocolat Du Planteur” (“die Schokolade des Pflanzers”) entstehen. Dass das eigentliche Subjekt der Anzeige durch die exotisierende grafische Gestaltung eher ent-personalisiert als als die prominente Person gezeigt wird, die er tatsächlich ist, ist ebenfalls nicht gerade Antidiskriminierungsfördernd und in der Werbelandschaft eher ein Rückschritt.
  2. Nackte Haut verkauft, das gilt auch für Poldi und Beckham. Mich regt weniger der halbnackte Didier Drogba auf, als die kolonialen Konnotationen, die das Bild transportiert. Der eigentliche Skandal ist doch, dass sich in dieser Werbung, so wie in der Realität, koloniale Strukturen (visuelle und ökonomische) bis heute fortschreiben.
    Hier wirbt ein glänzender schwarzer Männerkörper nicht etwa für Deo oder Parfum wie bei Beckham oder Poldi, sondern für einen Konsumartikel (bzw. dessen Ausgangsprodukt), der bis zum Ende der Kolonialzeit vor allem von versklavten bzw. ausgebeuteten schwarzen Menschen für den europäischen Markt produziert wurde. Beim Anblick von Didier Drogba kommt mir weniger der Planteur/der Plantagenbesitzer in den Sinn, als derjenige, den er für sich schwitzen lässt.
    Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler und musste mich erst informieren, um mein ungutes Gefühl angesichts dieser Werbung etwas konkretisieren zu können. Nur so viel: Zwar wird Kakao in der Elfenbeinküste (weltweit größte Kakaoproduzent) vor allem von Kleinbauern (und deren Kindern unter Verwendung von Pestizieden) hergestellt, der Großteil der Gewinne landet dennoch anderswo: Wenn eine Tafel Schokolade 18 Stücke hat, dann bekommt der Groß- bzw. Zwischenhändler 5,5 Stücke, der Schokoladenhersteller 7, der Verpacker 5,5 und der Ivorische Bauer, der Planteur, lediglich eines.
    Das verwerfliche an dieser Werbung ist für mich, dass ein nackter schwarzer Mann dazu herhalten muss einen postkolonialen Wirtschaftskreislauf zu kaschieren bzw. zu legitimieren.

Ergänzende Hintergrund-Informationen zum Thema Kakao @ Elfenbeinküste:

“Der bittere Geschmack des Kakaos”

“Zwar ist die Elfenbeinküste der größte Kakaoproduzent weltweit, trotzdem hat der Rohstoff dem westafrikanischen Land bisher wenig Segen gebracht. Nicht nur, dass die Kontrolle über den Kakao immer wieder Grund für Konflikte ist, auf den Plantagen ist Kinderarbeit an der Tagesordnung. Nach Schätzungen der ivorischen Gewerkschaft UGTCI, Partnerorganisation des Internationalen Bunds Freier Gewerkschaften (IBFG), sind 40 Prozent der Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren bereits abhängig beschäftigt. Der IBFG hat deshalb bereits 2000 eine Kampagne gegen Kinderarbeit in der Elfenbeinküste gestartet. Auf den Kakao-Plantagen arbeiten aber nicht nur einheimische Kinder.”
Bildquelle: Spiegel

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