Der Braune Mob e.V. | Mediamarkt und Oliver Pocher verar…en Togo
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Mediamarkt und Oliver Pocher verar…en Togo

Mediamarkt und Oliver Pocher verar…en Togo


Mediamarkt “Togo” Kampagne wird weitgehend als rassistisch empfunden.
Werberat reagiert erneut ablehnend und einsilbig

Obwohl der deutlich feindliche Charakter des Mediamarkt-Spots erkannt wurde, in dem einem Polen aufgrund seiner Herkunft unterstellt wird, dass er klauen würde, scheint bei Rassismus die Grenze des Verständnisses erreicht zu sein.

In einem ausführlichen Brief an den Werberat (ein selbstregulierendes Gremium, das sich aus Angehörigen der Werbeindustrie zusammensetzt) erklärte der braune mob e.V. sehr anschaulich und dezidiert, weshalb genau diese Art Werbespots sicher kein rassismusfreieres Klima in Deutschland schafft, und weshalb viele Menschen die Grenzen des guten Geschmacks und demokratischen Umgangs bei diesem Spot ebenso überschritten sehen wie bei dem “Polen”-Spot. Der Werberat wurde gebeten, aufgrund der neuen Argumente seine Entscheidung zu überdenken.

Ansätze dafür, dass dies überhaupt einmal in Erwägung gezogen wurde, zeigen sich im Antwortschreiben keine.

Initiale und individuelle Reaktionen auf das Antwortschreiben enthalten u.a. die Vokabeln “borniert”, “abgehoben”, “ignorant”, “einsilbig”. Es bleibt der Eindruck zurück, dass der Werberat die Belange schwarzer Menschen nicht ernst nimmt, und dass dort eine Definition von “Rassismus” vorherrscht, die nicht auf Expertenwissen fußt, sondern lediglich auf dem persönlichen Ermessen der Angehörigen dieser Einrichtung. Wieviele Angehörige der schwarzen Minderheitskultur sich im Werberat finden, kann nur gemutmaßt werden.

Der Gedanke, dass dieses Gremium, das sich bisher nur selbst Rede und Antwort stehen muss, umgestimmt werden kann, ist jedoch nicht abwegig. Mails mit Ihrer Meinung, Kommentaren und/oder ergänzenden Argumenten erreichen den Werberat unter werberat@werberat.de.

Brief vom braunen mob e.V.
an den Werberat
 (PDF)
Antwort des Werberats (PDF)

   19.04.2006  

Mediamarkt und Oliver Pocher verar…en Togo
Werberat sieht keinen Grund zur Beanstandung

Aus unerfindlichen Gründen wurde nur das allernötigste getan und keine wirkliche Einsicht erreicht: Nach zahlreichen Protesten wurde der Media-Markt Spot, in dem impliziert wird, dass “Polen klauen” aus der aktuellen Media-Markt-Hörfunkwerbekampagne genommen, aber der “Togo”-Spot (gesprochen von Oliver Pocher) wird nach wie vor geschaltet und ist online zu hören. Anscheinend nach dem Motto “Togo ist ja auch weiter weg…” Im Radio-Spot heißt es unter anderem:

“Aha- wir haben verstanden. Eine Bestellung für eine Waschmaschine mit besonders großer Trommel”
… “Mit einem Schonwaschgang für die Baströckchen”

Der Spot wurde nach einigen Beschwerden von der Media-Markt-Homepage genommen, wird jedoch weiter als Funkwerbung geschaltet. Der gesamte Funkspot liegt uns vor.

Meinung: Zum einen ist der “Witz” alt und geschmacklos. Allerdings schwebt hier durchaus auch noch eine menschenverachtende Komponente mit, wenn man bedenkt, dass Togo einmal deutsche Kolonie war, wobei zahlreiche Menschen dort getötet wurden. Vor diesem Hintergrud erscheint es gleich weniger harmlos, das koloniale Bild vom Einwohner Togos fortzuführen und die Menschen erneut künstlich zu exotisieren, und lächerlich zu machen indem sie auf Baströckchen reduziert werden. Man stelle sich einmal vor, ein ähnlicher Spot würde andere Opfer deutscher Expansionskriege klischeehaft verzerren und verhöhnen … undenkbar.


So sieht es in Togo aus
(Quelle: Botschaft der Republik Togo)

Der deutsche Werberat (www.werberat.de) kann in diesem Spot jedoch keine Geschmacklosigkeit erkennen. In einem Schreiben an eine Beschwerdeführerin heißt es:

“ (…) Nach Überprüfung der oben genannten Werbemaßnahme sehen wir unter Berücksichtigung der uns inzwischen zugegangenen Stellungnahme des Werbung Treibenden keinen Anlass für eine Beanstandung.”

Der Spot greift ohne Zweifel ein gängiges Klischee der “europäischen” Sichtweise auf die Traditionen des afrikanischen Kontinents auf. Jedoch wird durch die überzeichnete Zuspitzung und Reduktion auf die zentralen Begriffe “Trommeln” und “Baströckchen” deutlich, dass es sich hierbei um eine karikaturhafte Übertreibung handelt, die mehr die Vorurteile des Hörers denn die Beschreibung eines tatsächlichen Zustands im Blick hat. Insoweit wird man auch unterstellen dürfen, dass der aufgeklärte Verbraucher als Adressat dieser Werbung um die Vielfalt und Bedeutung der afrikanischen Kultur weiß. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass das Szenario des Spots ernsthaft als Diskriminierung aufgefasst wird. Auch andere “Nationalitäten” werden üblicherweise scherzhaft mit bestimmten Klischees in Verbindung gebracht, ohne dass man daran Anstoß nehmen würde. In diesem Zusammenhang ist auch von Bedeutung, dass es sich um eine ganze Werbekampagne der Firma handelt, die verbreitete Klischees in Deutschland über das Verhältnis zu anderen Ländern und Regionen aufgreift; auch dadurch wird der ironische Umgang mit der Thematik deutlich (…).”

Dieser Auffassung schließen wir uns nicht an. Dass der Werberat die afrikanische Kultur im Singular anführt, verwundert uns. Dass erkannt wird, dass Togo nicht die einzige Nation ist, die auf die Schippe genommen wird, rechtfertigt unserer Meinung nach nicht die Reproduktion kolonialer Klischees (davon ist der “Togo”-Spot auch der einzige, da “Baströckchen” im Prinzip nichts “Togo-spezifisches” sind, sondern vielen afrikanischen Ländern pauschal zugeschrieben werden; auch insofern ist der klischeehafte Humor über zugeschriebene nationale Eigenheiten unterschiedlich von den anderen Spots. Die Tatsache, dass im Spot die Intention, ironisch zu sein, klar erkennbar ist, schmälert unserer Meinung nach auch nicht den beleidigenden Charakter des Spots.

Gerade im Hinblick darauf, dass Media-Markt die WM in ihre Kampagne mit einbeziehen, sollte man seine Meinung hierüber kundtun.
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