Der Braune Mob e.V. | Tatort: “witzisch” durch Rassismus
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Tatort: “witzisch” durch Rassismus

Tatort: “witzisch” durch Rassismus

sfdBrief von:

Schwarze Filmschaffende in Deutschland

 

Betreff: Tatort “Ruhe Sanft“ (Colonia Media im Auftrag des WDR), ausgestrahlt am Sonntag 18.3.07

Nadeshda: „Wie heißen noch mal die Leute, die immer schwarz rumlaufen?“
Boerne: „Neger. Also, ich wollte sagen … [sucht nach Worten] Mitbürger afro … amerikanischer … Also Thiel, wie nennt man die denn jetzt eigentlich korrekterweise?“
Thiel: „Nadeshda, fragen Sie doch mal bei den Grünen nach. Na, die kümmern sich doch um solche Dinge, Dosenpfand und [so] …“

AN:

Fritz Pleitgen, WDR Intendant
Manfred Stelzer, Regie
Stefan Cantz und Jan Hinter, Autoren
Sonja Goslicki , Produzentin/Colonia Media
Anke Krause, Redakteurin/WDR
Mechthild Holter & Ute Zahn für Jan-Josef Liefers, Schauspieler
Axel Prahl, Schauspieler

Guten Tag.

Das Wort “Neger” ist ein rassistisches Schimpfwort. Bitte beachten Sie im Attachment den Informationstext, der ausführlich auf die Etymologie des Begriffs eingeht, sowie ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Schwäbisch Hall aus dem Jahr 2000.

Die linguistischen Gegensatzpaare, die der deutschen Sprache zwar zur Verfügung stehen – von Ihrem Team jedoch grundlos und beleidigenderweise ignoriert werden – sind simpel, liegen auf der Hand und lauten schlicht:

Schwarze/r – Weiße/r
Afrikaner/in – Europäer/in
z.B. Deutsche/r – z.B. Kongolese/Kongolesin
Weiße Deutsche – Schwarze Deutsche

Das Äquivalent zu “Neger” ist “Arier”, ein Begriff der, als Unwort kategorisiert, gänzlich aus dem deutschen Sprachschatz verschwunden ist.

Als kleine Denkhilfe möchten wir darauf hinweisen dass die offenkundige Vermeidung der einzig für Sie möglichen equivalenten Selbstbezeichnung (nämlich Arier) ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass etwas mit dem Begriff den Sie für “die anderen” benutzen nicht stimmt.

“Ruhe Sanft” wurde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgestrahlt, dieser wiederum wird durch Gebühren finanziert, die unter anderem auch von den 19% der deutschen Bevölkerung mit Migrationshintergrund stammen.

Der WDR/Colonia Media glaubt, sich diskriminierende Geschmacklosigkeit leisten zu können, offenbar davon ausgehend, dass Afrika keine Lobby hat und sich somit auch AfrikanerInnen bzw. Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland nicht zur Wehr setzen können oder werden.

Wie wäre es aber, wenn wir ihre semantischen Opfer auswechselten? Würden Sie über anti-semitische Bezeichnungen für Juden spotten? Wohl kaum, denn Ihr Intendant müsste mit dem geharnischten Protest vieler jüdischer Mitbürger rechnen.

Dass Sie die in unserem Lande allgemeine vorherrschende historischen Ignoranz bzgl. der deutschen Kolonialverbrechen, die in Deutsch-Südwest zum ersten deutschen Vernichtungslager überhaupt führte, sowie die durch die deutschen Schutztruppen ausgeführten Genozide im heutigen Namibia und damaligen Deutsch-Ostafrika offenbar nicht wahrhaben möchten, ist bereits schockierend.

Doch dass Sie darüber hinaus die nationalsozialistischen Rassegesetze – die für “Juden”, “Neger” und “Zigeuner” gleichermaßen galten und die bereits 1935 zu Zwangssterilisierungen sogenannter deutscher “Neger” sowie deren Ermordung in Konzentrationslagern führte – durch die Fortführung des damals üblichen Sprachgebrauch bagatellisieren, ist gänzlich inakzeptabel. Wir erwarten von einem öffentlich rechtlichen Sender die Einhaltung ethischer Grundsätze. Sicherlich müssen wir Sie nicht daran erinnern, dass Sie neben einem Informations- und Unterhaltungsauftrag auch einen Bildungsauftrag haben.

Es besteht kein Zweifel an dem diskriminierenden, kolonialrassistischen, semantischen Charakters des Dialogs von “Ruhe Sanft”, der sich über die “korrekte” Bezeichnung für Menschen afrikanischer Herkunft in einer Form auslässt, als bestünden Ihre Zuschauer auch im Jahre 2007 noch ausschließlich aus “Ariern”.

Zwar ist Deutschland leider eines der wenigen verbleibenden Länder, in dem es nach wie vor möglich ist, Angehörige kultureller und ethnischer Minoritäten, medial zu diffamieren, dennoch ist uns schlechterdings unverständlich, wie der WDR, der eigentlich als eine der fortschrittlichsten Sender im ARD Verbund gilt, eine derartige sprachliche Entgleisung fördern kann.

Wir fordern Sie hiermit ausdrücklich auf, rassistische Beleidigungen gegenüber Schwarzen Menschen aus Ihrem Vokabular zu streichen, und sie nicht mehr zur Primetime dem deutschen Fernsehpublikum zu servieren.

 

SFD PRESSE- und Öffentlichkeitsarbeit
Nadja Rahal
Diplomjournalistin

Kürfürstenstr. 30
80801 München

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