Der Braune Mob e.V. | Wunderbares Sexspielzeug? Sehr gutes Fallbeispiel herrschaftlichen Diskursverhaltens
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Wunderbares Sexspielzeug? Sehr gutes Fallbeispiel herrschaftlichen Diskursverhaltens

Wunderbares Sexspielzeug? Sehr gutes Fallbeispiel herrschaftlichen Diskursverhaltens

Schwarzer Mann = Gummipuppe 2.0? 
Einsendung von Evan R.

Die Werbung der WunderBar Hamburg:

WunderBar_Werbung_sm
Protestschreiben eines Bürgers:

“Sehr geehrter Herr Littmann,

Wer die Werbung für die WunderBar konzipierte, die am Samstag den 24. April während des Lange-Reihe-Straßenfest verteilt wurde, tut Ihnen und Ihrem Geschäft kein Gefallen.

Ich spreche von dem unoriginellen Flyer, wo, wie in der Werbung zur Kreditkarte American-Express, zwei tatsächlich kaufbare Dinge (Objekte, Erlebnisse) gezeigt, verglichen und kommentiert werden; das erste mit einem Preis in Euro, das zweite mit dem Adjektiv „unbezahlbar“.

Im Fall des WunderBar-Flyers geht es um eine männliche Gummipuppe („59,95 Euros“) und einen halbnackten schwarzen Mann mit einer Kette um den Hals („unbezahlbar“). Der Slogan dieser Werbung macht die visuelle Botschaft nur noch deutlicher: „Get the real thing!“. Also, warum sich von einer Puppe trösten lassen, wenn man sich einen echten Schwarzen —das echte Ding!— nach Hause schleppen kann?

Könnten Sie ehrlich zugeben, an wen diese Werbung gerichtet ist? Werden schwarze Männer ein Lokal besuchen wollen, dessen Besitzer sie öffentlich als sexuelles Spielzeug instrumentalisiert, um die nicht-schwarze Kundschaft anzureizen? Wie werden sich die schwarze Kunden fühlen, wenn sie Ihr Bar besuchen? Als geschätzte bezahlende Gäste oder als begehrte unbezahlbare Ware? Denn in Ihrer Werbung ist es klar: unbezahlbare Ware bleibt dennoch Ware.

Sie werden vielleicht argumentieren, dass der Modell Mitglied des WunderBar-Teams ist (wie es in Ihrer Webseite angedeutet wird) und freiwillig für den Flyer posiert hat. Hier geht es aber um den rassistischen Werbeauftritt Ihres Geschäftes in der Öffentlichkeit.

In der Werbebranche werden ständig Stereotypen angewendet, die schwarze Menschen als gefürchtete oder lächerliche Objekte darstellen. Da muss ich Ihnen sagen: Die Tatsache, dass der schwarze Mann als Objekt des Begehrens dargestellt wird, macht Ihren Flyer nicht weniger anstoßend.

Die Werbung für die WunderBar ist rassistisch; recht rückschrittlich in Zeiten von Diversity; peinlich in einer internationalen Stadt wie Hamburg; und enttäuschend, wenn man bedenkt, dass die schwule Szene ein Kompromiss haben sollte mit dem Kampf gegen jede Form von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit in der Öffentlichkeit.

Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird. Mein Schreiben sowie Ihre Antwort (oder Ihr Schweigen) werde ich zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen.

Trotz allem, mit freundlichen Grüßen,

Evan Romero-Castillo Hamburg, den 4. Mai 2008”
Antwortbrief:

WunderBar_Anwort onlAnm der Redaktion: Verweise auf Sexualpartner, Familienmitglieder oder politische Arbeit werden gerne zur General-Abwehr spezifischer Rassismusvorwürfe verwendet. Ein Beanspruchen der Neutralität obwohl man selbst mitten in den “Vorfall” involviert ist, und die Behauptung, die Kritik geschehe nicht aus objektiven Gründen sondern fuße auf “Emotionen” und Dummheit der Protestierenden (“alle anderen haben das schon verstanden”) sind klassische Abwehrversuche in dominant geführten Diskursen. Das angesprochene Unternehmen versteht angeblich nicht, warum es so fragwürdig wie rassistisch konnotiert ist, einen Schwarzen Menschen in Sklavenpose als bessere Version einer Gummipuppe abzubilden.
Auffällig im Diskurs: Der Wunsch nach gänzlich rassismusfreier Werbung ist nicht vorhanden; der Wunsch, Rassismusvorwürfe von sich zu weisen gleichzeitig enorm ausgeprägt. Es wird nicht versucht, die Argumentation des Protestierenden nachzuvollziehen. So wird die Bekämpfung öffentlicher Rassismen erschwert.

Mehr zu weißen Abwehr- und Vermeidungsstrategien: www.m-strasse.de/strategies_of_avoidance/introduction/index.html

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